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Kloster ABC - Karmel Hannover

 Im Kloster werden viele Begriffe verwendet, die für Außenstehende oftmals unverständlich sind. Dieses Kloster ABC soll ein wenig Abhilfe schaffen.


A

Armut: Eines der drei Gelübde, welche wir bei der Profess versprechen. Es beinhaltet den Verzicht auf Privateigentum und die Verpflichtung auf einen einfachen Lebensstil. Zudem geht es um eine innere Einstellung und Haltung, dem Bewusstsein, dass wir als Menschen nichts ohne Gott erreichen können und wir alles von ihm geschenkt bekommen haben: unser Leben, unsere Fähigkeiten, .... Diese Form von Armut ist jedoch nicht mit der Armut zu vergleichen, die vielen Menschen unfreiwillig aufgezwungen ist und die deren Existenz bedroht. Einer solchen Armut möchten wir entgegentreten, in dem wir durch Gebet und unser Handeln Mittel und Wege suchen diese zu mildern und den Armen ein menschenwürdigeres Leben zu ermöglichen.

B

Beten: Als Beten wird allgemein das in Beziehung-sein oder Gespräch mit Gott bezeichnet. Es lassen sich viele verschiedene Formen oder Methoden des Gebets unterscheiden. Beispiele: Liturgisches Gebet (Eucharistiefeier, Stundengebet, Wort-Gottes-Feiern, etc.), geformtes Gebet mit festgelegten oder vorgegebenen Worten, rhythmisches Gebet wie Rosenkranz oder das Jesus-Gebet, schweigendes Gebet, ... .

C

Chor / Schwesternchor: Dieser Begriff wird unterschiedlich verwendet. Bei uns ist dies ein Raum, in dem wir u.a. unser Stundengebt miteinander beten und der von Außenstehenden nur selten betreten wird. Durch eine Glastüre ist er - in unserem Kloster - von dem Altarraum der Kirche abgetrennt. In meiner ersten Gemeinschaft haben wir unter dem Begriff "Schwesternchor" eine Gruppe von Schwestern verstanden, die miteinander gesungen und als Chor die musikalische Gestaltung der Gottesdienste übernommen hat.

D

E

Ehelose Keuschheit: Eines der drei Gelübde, welche wir bei der Profess versprechen. Um ganz frei zu sein, für unsere Freundschaftsbeziehung mit Gott, für das Gemeinschaftsleben und für das Gebet im Dienste der Kirche und der Menschen, verzichten wir auf Ehe und Familie.

F

Freundschaft mit Gott: Unsere Ordensgründerin, die hl. Teresa von Avila, prägte den Ausdruck "Freundschaft mit Gott". Er drückt aus, was Gebet oder auch das Christsein im eigentlichen Kern sein sollte: Ich lebe in Freundschaft mit Gott. Denn Gott ist die Liebe und möchte nichts anderes, als dass ich diese Liebe zulasse (siehe auch Therese von Lisieux).

G

Gehorsam: Eines der drei Gelübde, welche wir bei der Profess versprechen. Es drückt zunächst den Willen aus, auf Gottes Wort zu horchen und seinem Willen zu tun. Gehorsam beinhaltet aber auch das Hören auf meine Oberen und Mitschwestern /-brüder, wobei dies kein einseitiger, sondern ein dialogischer Prozess ist.

H

I

Inneres Gebet: (1) Bezeichnung für die zwei Stunden des persönlichen Gebets im Stillschweigen am Tag (eine morgens und eine abends), die für den teresianischen Karmel typisch sind. (2) In der karmelitanischen Spiritualität wird auch das stetige in Beziehung mit Gott sein, als Inneres Beten bezeichnet. Dieses Beziehungsgeschehen macht erst aus jeglichem "Gebete-Verrichten" ein echtes Gebet. Aus einem unbestimmten Gott über den ich rede, wird ein "Du-Gott" mit dem ich rede.

J

Juniorat: In vielen Gemeinschaften wird die Zeitspanne als Juniorat bezeichnet, in der die in Ausbildung befindliche Schwester zwar bereits zeitliche Gelübde, jedoch noch keine auf Lebenszeit abgelegt hat. Die Zeit des Juniorats umfasst zumeist fünf Jahre.

K

Kandidat*in / Kandidatur: Während der Kandidatur kann die / der Kandidat*in die Gemeinschaft kennenlernen, ohne jedoch schon dauerhaft im Kloster zu leben. 

Karmel: Dies ist zunächst ein Berg, bzw. Gebirge in Palästina. Im 12 Jahrhundert haben sich hier Einsiedler zu einer Gemeinschaft zusammengetan und es entstand die Gemeinschaft der Karmeliten. In Erinnerung an diese Anfangszeit, nennen Karmelit*innen ihre Klöster auch "Karmel".

Karmelit*in: Angehörige*r des Karmelitenordens. Dabei ist zu unterscheiden zwischen dem Stammorden (OCarm) und dem Teresianischen Karmel (OCD), welchem wir angehören.

Klausur: Das sind zunächst die privaten Räumlichkeiten einer Gemeinschaft, welche für Außenstehende in der Regel nicht zugänglich sind und den Klosterbewohner*innen ein Leben in Schweigen und Gebet ermöglichen soll. Einige Klöster grenzen diesen Bereich daher mithilfe einer Klausurmauer und Klausurgittern von der Außenwelt ab. Inwiefern die Klausur von den Klostermitgliedern verlassen werden kann, ist je nach Gemeinschaft oder auch Niederlassung unterschiedlich. Von dieser äußerlichen Klausur ist die innere Klausur zu unterscheiden, welche wir im Herzen tragen.

Konvent: Die konkrete Wohn- und Lebensgemeinschaft von Ordensleuten, welche zusammenleben. Manchmal werden auch die Räumlichkeiten, welche einem Konvent zur Verfügung stehen, als Konvent bezeichnet. In manchen sehr großen Gemeinschaften und Klöstern, gibt es innerhalb eines Klostergebäudes auch mehrere Konvente. Im Karmel ist dies jedoch unüblich.

L

Laudes: Die Laudes ist unser Morgengebet mit der wir - zumeist um 6:00 Uhr am Morgen - unseren Tag beginnen. Zusammen mit der Vesper, gehört sie zu den "großen" Horen des Stundengebetes.

M

N

Noviz*in / Noviziat: Das Noviziat schließt sich an das Postulat an und beginnt meist mit der Feier der Einkleidung, bei der das Ordensgewand übergeben wird. Oft erhält die Novizin / der Novize auch einen neuen Namen. Sie oder er ist nun Schwester oder Bruder auf Probe und kann weiter die Gemeinschaft und das Ordensleben kennenlernen. Die Zeit des Noviziats endet mit der Ablegung der zeitlichen Profess.

O

P

Postulant*in / Postulat: Dies ist eine Stufe innerhalb der Ordensausbildung. Als Postulant*in lebt man bereits in dem jeweiligen Kloster, ohne aber ein Ordenskleid zu tragen. Es ist quasi die erste Probezeit und dauert mindestens sechs Monate.

Prior*in: Die Priorin ist die demokratisch gewählte Vorsteherin unseres Klosters, die uns auch nach Außen hin vertritt. Alle drei Jahre wird gewählt. Unterstützt wird sie in ihren Aufgaben von der Subpriorin und einer weiteren Ratsschwester. 

Profess: Bezeichnet die Ablegung der Gelübde (Armut, Gehorsam und ehelose Keuschheit). Es ist zu unterscheiden zwischen der zeitlichen und der ewigen oder feierlichen Profess.

Q

R

Refektorium: Dies ist die lateinische Bezeichnung für unseren Speiseraum, in dem wir gemeinsam unsere Mahlzeiten zu uns nehmen. Im Karmel geschieht dies in der Regel im Schweigen. Mittags hören wir eine "Tischlesung" und abends die Nachrichten von "Radio Vatican". Dies wird jedoch in jedem Kloster anders gehandhabt.

Rekreation: Zeit der gemeinsamen Erholung und des lockeren Austauschs. Aber auch den Ort der Rekreation bezeichnen wir als "Rekreation". Andere würden diesen Raum wohl als Gemeinschaftsraum oder Wohnzimmer bezeichnen. Unter einem Wohnzimmer stelle ich mir allerdings einen Raum mit Sessel und Sofa vor und diese sucht man in unserem Kloster vergeblich.

S

Schweigen: Das Schweigen kann dabei helfen, die Konzentration auf die je eigene Gottesbeziehung aufrechtzuerhalten. Dabei gibt es ein äußerliches und ein inneres Schweigen. Das der Mensch mit dem Mund, also äußerlich schweigt, sagt noch nichts darüber aus, ob er auch innerlich schweigt, d.h. auch seine Gedanken zur Ruhe gekommen sind. Johannes von Kreuz spricht vor allem davon, dass es unser Ziel sein sollte, die (negativen) Gedanken über andere oder auch Zukunftssorgen und das Kreisen um das eigene Ego einzustellen. Wenn anstelle der negativen Gedanken, Gedanken der Liebe und Zuneigung treten, stärkt das Schweigen sogar die Gemeinschaft.

Stundengebet: Der Begriff "Stundengebet" bedeutet nicht, dass dieses Gebet eine Stunde dauert. Vielmehr ist dies eine Gebetsform, die auf mehrere Zeitstunden über den Tag verteilt sind. Daher wird das Stundengebet auch als Tagzeitenliturgie bezeichnet. Zentral für das Stundengebet sind die Psalmen.

Sext oder auch Mittagshore: Dies ist der Name für unsere Gebetszeit am Mittag, zumeist um 12:00 Uhr. Sie gehört zu den "kleinen Horen" des Stundengebetes.

T

Terz: Diese "kleine" Hore des Stundengebetes wird zur "dritten" Stunde gebetet, d.h. gegen 9:00 Uhr am Morgen.

U

V

Vesper: Das Abendgebet der Kirche und Teil des "Stundengebetes". Wir beten die Vesper in der Regel um 18:00 Uhr.

W

X

Z

Zelle: der persönliche Schlaf- und Gebetsraum. Da heutzutage die "Zelle" schnell mit einer Gefängniszelle gleichgesetzt wird, wird immer mehr dazu übergegangen eher von "Zimmer" zu sprechen. Der Begriff "Zelle" soll jedoch deutlich machen, dass die vielen verschiedenen Zellen in einem Kloster ein ganzes bilden und zusammengehören, vergleichbar mit den Zellen einer (Bienen-)Wabe.

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